Volker Grassmuck, Freie Software zwischen Privat- und Gemeineigentum

http://freie-software.bpb.de (lokal: Grassmuck.pdf)

Lesetipps für die Veranstaltung Open-Source Software.

H. Högl, <Hubert.Hoegl@hs-augsburg.de>

Inhalt

1   Geschichte der freien Software

  1. 177 - 232

1.2   Internet

  1. 179 - 201

1.3   Geschichte der Softwareentwicklung

  1. 202 - 211
  • Am Anfang war alle Software quelloffen und frei
  • In den 60er Jahren dominieren HW-Firmen (DEC, HP, IBM). Es gibt noch keine
  • Software Unternehmen.
  • 1969 hebt IBM die Buendelung von SW mit HW auf
  • In den 70ern beginnt Softwareindustrie
  • Bill Gates: Open letter to fellow hobbyists (1976). BG flog vorher fast von Harvard, weil er oeffentliche Resourcen zum Schreiben von proprietaerer Software genutzt hat. Wurde gezwungen, Software unter Public Domain zu stellen.
  • Die PC Revolution Anfang der 80er: Intel, DOS von Microsoft, IBM-PC-Clones, CP/M von DRI kam 1975 auf den Markt (erste Anwendungsprogramme wie WordStar), DOS war ein abgespecktes CP/M von Seattle Computers. CP/M war ab 1984 multitasking- und multiuser-faehig. Die CP/M Weiterentwicklung war DR-DOS, die mit DOS konkurrierte. MS-DOS 5.0 hat dann DR-DOS aus dem Markt gedraengt.
  • MS Windows: Am Anfang DR GEM, Windows 1.0 1985. Apple gilt als Vorbild.
  • Infoware statt Software
  • HTML

1.4   Betriebssysteme

  • OS/360 von IBM 1962
  • Betriebssysteme sollten zugaenglich, flexibel und offen sein. Es macht keinen Sinn, sie als Eigentum von Firmen zu entwickeln.

1.5   UNIX

  1. 211 - 213

1.8   GNU/Linux

  1. 227 - 229

2   Was ist freie Software, wie entsteht sie, wer macht sie?

  1. 233 - 258

Vier Grundeigenschaften:

  1. die Software darf ohne Software Einschränkungen benutzt werden,
  2. der Quellcode freier Software ist verfügbar; er darf zitiert und aus ihm darf gelernt werden,
  3. sie darf ohne Einschränkungen und ohne Zahlungsverpflichtungen kopiert und weitergegeben werden,
  4. sie darf verändert und in veränderter Form weitergegeben werden.

(entspricht der GPL)

Diese Eigenschaften bilden die idealen Voraussetzungen für eine offene, d.h., nicht auf Arbeitsvertragsverhältnissen be- ruhende, kooperative Softwareentwicklung

2.1   Quellcode und Objektcode

Kompilierung im wesentlichen irreversibel // Blackbox // Reverse Engineering // Modifikationen an proprietaerer SW nur schwer moeglich.

Gegenueberstellung

Freie SW:

  • Quelltext als in einer offenen, nicht gewinnorientierten Zusammenarbeit betriebener Prozess, bei dem eine ablauffähige Version immer nur eine Momentaufnahme darstellt, zu deren Studium, Weitergabe und Modifikation die Lizenzen der freien Soft- ware ausdrücklich ermutigen.
  • kollektives Wissen, das allen zur Verfügung steht.
  • ein freier Wettbewerb um Dienstleistungen mit gleichen Zugangschancen zu den Märkten.

Proprietaere SW

  • Quelltext als ein in geschlossenen Gruppen, unter Vertraulich- Modelle keitsverpflichtung gefertigtes Masterprodukt, das in geschlossener, binä- rer Form vermarktet und mit Hilfe von Urheberrechten, Patenten, Mar- kenschutz und Kopierschutzmaßnahmen vor Lektüre, Weitergabe und Veränderung geschützt wird.
  • eine Ware, die dem Konsumenten vom Produzenten verkauft wird
  • konventionelle Wirtschaftspraktiken, die tendenziell immer auf Verdrängung und Marktbeherrschung abzielen.

2.2   Wie funktioniert ein Projekt der freien Software?

Eric Raymond, "Jedes gute Softwarewerk beginnt damit, dass ein Entwickler ein ihn persönlich betreffendes Problem angeht"

Bsp.: Tim Berners-Lee, WWW, NCSA-httpd, Pegasus Mail, Majordomo, Linus Torvalds

Eigenmotivierte Taetigkeit

Core-Team und Maintainer

Die Community

Entscheidungsfindung: "rough concensus and running code"

Code Forking

Die Werkzeuge (CVS)

Debugging

Releases

Freie Software ist kein Produkt, sondern ein Prozess.

Institutionalisierung: Stiftungen und nicht profitorientierte Unternehmen.

Die erste rechtskräftige Institution entstand 1985 aus dem GNU-Pro- jekt. Die Free Software Foundation (FSF)27 kann als gemeinnützige Ein- richtung steuerlich abzugsfähige Spenden entgegennehmen.

Software in the Public Interest (SPI)

XFree86 Projekt

2.3   Die Motivation

Die Motivation: Wer sind die Leute und warum machen die das ..., wenn nicht für Geld?

"Jede Entscheidung, die jemand trifft, beruht auf den Wertvorstellun- gen und Zielen dieser Person. Menschen können viele verschiedene Wertvorstellungen und Ziele haben; Ruhm, Geld, Liebe, Überleben, Spaß und Freiheit sind nur einige der Ziele, die ein guter Mensch ha- ben kann. Wenn das Ziel darin besteht, anderen ebenso wie sich selbst zu helfen, nennen wir das Idealismus. Meine Arbeit an freier Software ist von einem idealistischen Ziel motiviert: Freiheit und Kooperation zu verbreiten. Ich möchte dazu beitragen, dass sich freie Software verbrei- tet, um proprietäre Software zu ersetzen, die Kooperation verbietet, und damit unsere Gesellschaft zu einer besseren zu machen." (Richard Stallman, 1998)

"Jedes Geschäft – welcher Art es auch sei – wird besser betrieben, wenn man es um seiner selbst willen als den Folgen zuliebe treibt", weil nämlich "zuletzt für sich Reiz gewinnt", was man zunächst aus Nütz- lichkeitserwägungen begonnen haben mag, und weil »dem Menschen Tätigkeit lieber ist, als Besitz, ... insofern sie Selbsttätigkeit ist" (W. von Humboldt, Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen, 1792)

Kritik und Bestätigung von der Community

Lieber freischaffend als angestellt.

2.4   Softwarezyklus: Entwickler, Power-User, Endnutzer

Beruehrungsflaechen mit unfreier Software // unfreier Code kontaminiert freien Code.

Das Scheitern von Mozilla: "Wenn man daraus eine Lehre ziehen kann, so ist es die, dass man nicht einfach ein sterbendes Projekt nehmen, es mit dem magischen Feenstaub des "Open Source" besprenkeln und erwarten kann, dass dann alles märchenhaft funktioniert" (Zawinski, 3/1999).

Kann freie Software etwas grundsaetzlich Neues hervorbringen?